Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda? Unsere 5 Tipps gegen gesperrten Account!

Während in Deutschland im August 2021 vor allem strengere Nachweispflichten im Bereich der Bargeldeinzahlungen bei Banken erhöhte Medienaufmerksamkeit erhielten, hatten Nutzer von Bitpanda zu diesem Zeitpunkt längst Erfahrungen mit diesem sogenannten Mittelherkunftsnachweis machen dürfen. Die in Österreich ansässige Investmentplattform ist als Europas größte Kryptobörse insbesondere bei deutschsprachigen Investoren sehr beliebt.

Bereits seit 2020 fordert Bitpanda von ihren Nutzern immer öfter einen Mittelherkunftsnachweis für Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether, aber auch für das herkömmliche Fiatgeld, wenn dieses etwa auf dem Konto von Bitpanda eingezahlt wird. Bitpanda reiht sich dadurch in große Anzahl an Kryptobörsen ein, die mittlerweile Herkunftsnachweise von ihren Nutzern fordern. Dadurch sind nun auch Kunden von Bitpanda gezwungen, einer Kryptobörse weitreichende Einblicke in die finanziellen Verhältnisse und im Zweifel hochsensible Unterlagen zu gewähren. Denn solange die Mittelherkunft nicht lückenfrei nachgewiesen ist, wird Bitpanda Ihnen Ihre Fiatmittel oder Kryptomittel nicht auszahlen.

Kryptoinvestoren sind durch diese Thematik also mittlerweile mit einem weiteren Problembereich bei der Nutzung von Kryptobörsen konfrontiert, neben den üblichen Auszahlungsproblemen bei Börsen und Betrugsfällen. Denn immer häufiger kommt es dazu, dass Bitpanda unangekündigt den Account von Kunden sperrt oder diesen deaktiviert. Das Konto ist dann nicht mehr aktiv und ein Nutzer können sich nicht einmal mehr in den Bitpanda Account einloggen, um Ihr Portfolio zu prüfen.

Haben sich Bitpanda Kunden dazu durchringen können, die Einblicke zu gewähren, ist dies jedoch noch kein Garant für eine erfolgreiche Nachweiserbringung. Immer häufiger kommt es bei der Einreichung der von Bitpanda geforderten Dokumente zu Komplikationen, die für Nutzer nicht selten in einem gesperrten Bitpanda Account und – noch schlimmer – eingefrorenen Kryptowährungen und Geldvermögen enden. Für Kunden bedeutet dies nicht selten herbe (Kurs)Verluste und steuerliche Nachteile.

Sind Sie betroffen, müssen Sie diese Nachteile jedoch nicht ohne Weiteres hinnehmen.

Warum fordert Bitpanda einen Mittelherkunftsnachweis?

Die Begriffe „Mittelherkunftsnachweis“, „Mittelverwendungsnachweis“, „Nachweis der Mittelherkunft“ oder in diesem Kontext auch einfach nur „Herkunftsnachweis“, werden von Kryptodienstleistern, Kreditinstituten und anderen fordernden Stellen uneinheitlich aber synonym genutzt.

Gemeint ist stets das gleiche: Mit dem Mittelherkunftsnachweis sollen Betroffene den vermeintlichen Nachweis erbringen, dass ihre finanziellen Mittel wie Geld, Kryptowährungen, Edelmetalle und etliche weitere Vermögensgüter eine legitime Herkunft haben, insbesondere keine Gewinne aus der Begehung von Straftaten darstellen. Im englischsprachigen Raum ist die Thematik unter den Begrifflichkeiten „proof of source of funds“, „source of wealth declaration“ oder „origin of funds“ geläufig.

Bitpanda Mittelherkunftsnachweis für Fiatmittel und Kryptomittel! Konto gesperrt?
Wir unterstützen bei der rechtssicheren Dokumentation von Transaktionen, wenn Bitpanda einen Mittelherkunftsnachweis fordert!

Hintergrund und zugleich auch Grund für die zunehmenden Nachweisforderungen von Bitpanda ist eine sich weiter verschärfende EU-Richtlinien- und darauf folgende Gesetzgebung der EU-Mitgliedstaaten im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Illegal erlangten finanziellen Mitteln soll der Zugang in den allgemeinen Wirtschaftskreislauf erschwert werden.

Experten bezweifeln zwar, dass derartige Nachweispflichten ein taugliche Mittel dazu sind. (Internationale) Risikoanalysen wollen jedoch in den letzten Jahren zu dem Ergebnis gekommen sein, dass Kryptowährungen ein erhöhtes Geldwäscherisiko aufweisen. Der EU-Richtliniengeber schärfte daraufhin nach und schloss Dienstleister im Bereich des Tauschs zwischen virtuellen Währungen (Kryptowährungen) und Fiatgeld (z.B. Euro) mit der Richtlinie (EU) 2018/843 (sog. „AML5-Richtlinie“) erstmalig in den Anwendungsbereich der Anti-Geldwäschevorschriften der Union ein.

Durch Umsetzung dieser europarechtlichen Vorgaben in das österreichische Recht wurde Bitpanda als Kryptowährungsbörse in den Anwendungsbereich des österreichischen Finanzmarkt-Geldwäschegesetzes (FM-GwG) eingeschlossen. Dort heißt es in § 1 Abs. 1 S. 1 FM-GwG ausdrücklich:

„Dieses Bundesgesetz ist auf Kredit- und Finanzinstitute sowie auf Dienstleister in Bezug auf virtuelle Währungen (Verpflichtete) anzuwenden.“

Daraus folgt für Bitpanda als vom FM-GwG „Verpflichtete“ seither die Pflicht, umfangreiche Sorgfaltspflichten gegenüber ihren Kunden zu erfüllen. Betreffend den Mittelherkunftsnachweis für Bitcoin, Ether und Co. sowie für Fiatgeld bestimmt § 6 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 FM-GwG etwa, dass die Sorgfaltspflichten von Bitpanda auch die Aufforderung des Kunden zur Erbringung eines Mittelherkunftsnachweises bedeuten:

„Die Sorgfaltspflichten gegenüber Kunden umfassen Einholung und Überprüfung von Informationen über die Herkunft der eingesetzten Mittel (…)“

Kritik daran, dass Bitpanda von zu vielen Kunden einen Nachweis für Fiatmittel und Kryptomittel fordert!

Derzeit entsteht vermehrt der Eindruck, dass Kunden häufig „in’s Blaue hinein“ zur Vorlage eines Mittelherkunftsnachweises durch Bitpanda aufgefordert werden, ohne dass Anhaltspunkte für ein konkretes oder auch nur erhöhtes Geldwäscherisiko bestehen.

Angesichts der Eingriffstiefe in die Persönlichkeits-, Privatsphäre-, Selbstbestimmungs- und nicht zuletzt auch Eigentumsrechte der Kunden sollten sich alle vom FM-GwG Verpflichteten darum bemühen, Mittelherkunftsnachweise nur bei Kunden und Transaktionen zu fordern, die auch ein erkennbares Risiko der Geldwäsche- oder Terrorismusfinanzierungsabsicht beherbergen.

Auch wenn der oben dargestellte Wortlaut des FM-GwG im Hinblick auf den Umfang der zu erfüllenden Sorgfaltspflichten von Bitpanda und anderen durch das FM-GwG Verpflichteten eindeutig ist, so bestehen durchaus weitreichende Möglichkeiten für die verpflichteten Stellen, die Eingriffe in die Privatsphäre der Kunden nach Risikoträchtigkeit zu steuern.

Nicht umsonst gibt das FM-GwG Bitpanda und allen anderen Verpflichteten die Möglichkeit, die Sorgfaltspflichten risikobasiert umzusetzen. In § 6 Abs. 5 S. 1, 2 FM-GwG heißt es ausdrücklich:

„Die Verpflichteten können den Umfang der in Abs. 1 bis 3 genannten Sorgfaltspflichten auf risikoorientierter Grundlage bestimmen. Bei der Bewertung der Risiken von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung sind zumindest die in Anlage I aufgeführten Variablen zu berücksichtigen. Als Ergebnis dieser Bewertung ist jeder Kunde in eine Risikoklasse einzustufen.“

Zudem haben Verpflichtete nach § 8 Abs. 1 FM-GwG auf Basis einer anzustellenden Risikoanalyse die Möglichkeit, lediglich vereinfachte Sorgfaltspflichten umzusetzen:

„Wenn ein Verpflichteter aufgrund seiner Risikoanalyse (§ 4) feststellt, dass in bestimmten Bereichen nur ein geringes Risiko der Geldwäscherei oder Terrorismusfinanzierung besteht, so kann er vereinfachte Sorgfaltspflichten gegenüber Kunden anwenden. Hierbei sind die Risiken von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung für bestimmte Arten von Kunden, geografische Gebiete und für bestimmte Produkte, Dienstleistungen, Transaktionen oder Vertriebskanäle zu bewerten und zumindest die in Anlage II dargelegten Faktoren für ein potenziell geringes Risiko zu berücksichtigen.“

Es ist fraglich, ob Bitpanda von diesen Instrumenten im zu erwartenden Maße Gebrauch macht. Die Anzahl der der Mittelherkunftsnachweise, die von Kunden gefordert wird, lässt nicht darauf schließen.

Typische Probleme beim Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda!

Möchten Sie bei Bitpanda mit Kryptowährungen handeln, ist das Risiko mittlerweile groß, die Kröte des Mittelherkunftsnachweises hierfür schlucken zu müssen und sich finanziell ein gehöriges Stück weit „auszuziehen“. Und zwar nicht gegenüber einer staatlichen Behörde oder etwa einer Bank, bei der Sie einen Kredit aufnehmen möchten, sondern gegenüber einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, dessen Börsendienste Sie in Anspruch nehmen möchten.

Die Nachweispflicht betrifft dabei nicht nur Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Cardano, etc., deren legitime Herkunft vor Verkauf bei Bitpanda nachgewiesen werden muss, sondern auch das von Kunden zum Erwerb von Kryptos eingezahlte Euro Geld (Fiatgeld). Es sind dann Nachweise vorzulegen, dass dieses auf legalem Wege verdient oder anderweitig erlangt wurde.

Wir sind dabei für Mandanten unter anderem mit folgenden typischen Problemen im Zusammenhang mit dem Mittelherkunftsnachweis für Bitpanda befasst:

  • Besitzer von Kryptowährungen werden zum Nachweis der Herkunft ihrer Coins aufgefordert und wissen nicht, wie Sie diesen erbringen sollen.

  • Bitpanda fordert zum Herkunftsnachweis für auf den Bitpanda Account eingezahltes Geld auf. Dieses Geld stammt jedoch aus einer Schenkung oder einer Erbschaft, welche schon lange zurückliegt. An Nachweisdokumente hat zu dieser Zeit niemand gedacht.

  • Ihr Geldvermögen, welches Sie bei Bitpanda eingezahlt haben, stammt aus vielen einzelnen kleinen Quellen, für die Sie jedoch keine vollständigen Nachweise haben.

  • Sie legen Bitpanda alle geforderten Nachweisdokumente vor, diese werden von Bitpanda jedoch als nicht ausreichend befunden und die von Ihnen beabsichtigte Transaktion wird nicht durchgeführt.


Alle vorgenannten Konstellationen, so unterschiedlich sie für sich aus sein mögen, haben häufig eine besondere Schwierigkeit inne. Bitpanda und allen anderen Stellen, die einen Mittelherkunftsnachweis fordern, steht ein weiter Ermessensspielraum bei der Prüfung und Bewertung der von Ihnen erbrachten Nachweise zu. Als privatwirtschaftliche Unternehmen können sie die Bedingungen der Kundenbeziehung weitestgehend selbst vorgeben.

Dies macht es für Privatkunden ohne rechtlichen Beistand ausgesprochen schwierig, gegen fehlerhafte Bewertungen und Entscheidungen von Bitpanda vorzugehen.

5 Tipps für einen erfolgreichen Mittelherkunftsnachweis und gegen einen gesperrten oder deaktivierten Bitpanda Account!

Sollten Sie sich entschieden haben, den Versuch zu unternehmen, den geforderten Mittelherkunftsnachweis zu erbringen, möchten wir Ihnen aus unserer Erfahrung mit der Thematik folgende Tipps mit auf den Weg geben, die sich in der Praxis bewehrt haben. Sie verringern dadurch das Risi:

  1. Vergessen Sie nicht, dass Bitpanda ein österreichisches Unternehmen ist und die Vorgaben für die Mittelherkunftsnachweise am österreichischen Recht ausgerichtet hat. Deutsche Nachweisdokumente erfüllen aufgrund Länderverschiedenheit nicht immer die gestellten Anforderungen.

  2. Achten Sie darauf, die Nachweisdokumente „sauber“ zusammenzustellen, damit Sie für die Mitarbeiter von Bitpanda gut verständlich sind.

  3. Sehen Sie den Mittelherkunftsnachweis nicht zu technisch! Legen Sie so wenig Dokumente wie möglich aber so viele wie nötig vor, um die Historie Ihrer finanziellen Mittel plausibel darzustellen. Es kann nicht in Ihrem Interesse sein, „einfach alle Unterlagen“ zu übersenden. Schließlich handelt es sich um höchstpersönliche Daten.

  4. Bestehen Sie auf eine schnelle Prüfung und Bearbeitung durch Bitpanda! Als Kryptotrader sind Sie sich über kurzfristige Kursschwankungen im Klaren und wissen, dass Sie wenige Tage, die Ihre Bitcoins oder Ether „festhängen“, viel Geld kosten können.

  5. Kümmern Sie sich um Ihre Daten! Ihre eingereichten Dokumente sind meist hochsensibel und die Einreichung ist kein Garant dafür, dass der Mittelherkunftsnachweis akzeptiert wird. Ihre Dokumente sind dann jedoch bereits in fremden Händen. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Daten von Bitpanda wieder gelöscht werden.


Sollten Sie merken, dass Bitpanda Zweifel an Ihrem Mittelherkunftsnachweis entwickelt, vermehrt Rückfragen stellt, sich die Angelegenheit stark verzögert oder sonstige Probleme entstehen, kontaktieren Sie uns mit Ihrem Anliegen gern unverbindlich per E-Mail. Sie erhalten von uns eine kostenfreie Ersteinschätzung zu Ihrem Fall. Wir sind als Rechtsanwaltskanzlei auf die Themen Mittelherkunft und Kryptowährungen spezialisiert.

Fragen und Antworten zum Nachweis für Fiat- und Kryptomittel

Sobald Bitpanda den Prüfungsprozess für den Mittelherkunftsnachweis bei Ihrem Account eingeleitet hat, besteht die Gefahr, dass Ihr Account ohne Vorwarnung gesperrt wird. Sie haben dann keinen Zugriff mehr auf Ihr Bitpanda Konto, da Sie sich nicht mehr einloggen können. In diesem Fall sollten Sie die Unterstützung durch eine auf diese Themen spezialisierte Kanzlei in Erwägung ziehen.

Bitpanda setzt sich keine Frist, innerhalb derer Ihre Unterlagen geprüft sein müssen. Im Gegenteil: Es ist zu erwarten, dass einige Wochen für die Prüfung vergehen und Sie sich in dieser Zeit möglicherweise sogar nicht einmal mehr in Ihren Bitpanda Account einloggen können. Bitpanda stellt sich auf den Standpunkt, dass das Risiko für die Kursentwicklungen in dieser Zeit bei Ihnen liegt.

Immer häufiger kommt es dazu, dass Bitpanda Firmenaccounts und Unternehmensaccounts auf der Plattform sperrt. Es werden dann umfangreiche Unterlagen und Informationen angefordert. Erfahrungsberichte zeigen jedoch, dass teilweise lange Zeit vergeht, bis die eingereichten Unterlagen geprüft werden. Nicht selten kommen Unternehmen dadurch zum Beispiel beim Jahresabschluss in Schwierigkeiten, da keine Möglichkeit mehr besteht, sich in den Account einzuloggen und Einsicht in die dort liegenden Vermögenswerte zu nehmen.